Kleiderei in Köln: Slow-Fashion Kleidersharing

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Leihen statt kaufen – dieses Prinzip ist besonders bekannt bei Alltagsgegenständen wie Büchern, die man schnell wechselt, oder bei teuren Artikeln wie Sportgeräten und Spezialmaschinen, die man nur selten benötigt. Doch wie ist es mit den Dingen, die wir täglich am Leib tragen? Shirts, Hosen, Röcke oder Schuhe einfach nur ausleihen und nicht mehr kaufen? Ja! Das zumindest ist das Prinzip der Kleiderei, einer Online-Plattform für alle, die sich dank Ausleihe etwas mehr Abwechslung in den Kleiderschrank holen möchten – ohne die Fast-Fashion-Industrie noch mehr zu unterstützen. Seit Anfang Mai gibt es in Köln einen ganz nicht-virtuellen Schwesterladen, die Kleiderei-Dependance in Köln-Ehrenfeld. Hier gilt: Anfassen, anprobieren und ausleihen. Im Interview erzählt Inhaberin Lena Schröder, was das Konzept so besonders macht und weshalb man es unbedingt einmal ausprobieren sollte.

Schon von außen lässt der Slogan über dem Laden keinen Zweifel daran, worum es in dem kleinen Ladengeschäft geht: Live slow, die old. Hier wird Nachhaltigkeit groß geschrieben. Auf den rund 30 Quadratmetern tummeln sich Kleiderstangen voller außergewöhlicher Prints, spannender Schnitte und interessanter Materialien. Doch auch klassische Artikel finden sich unter den Stücken. Ein echtes Paradies für alle Stöberfreunde. Neben extravaganten Accessoires gibt es auch Jeansoveralls, Plateau-Schuhe und nachhaltig designte Blusen aus Handarbeit.

Das Konzept hinter der neu eröffneten Kleiderei-Depandance in Köln ist ebenso simpel wie clever: Du zahlst einen monatlichen Beitrag, dafür darfst du dir Kleidungsstücke ausleihen und so oft umtauschen, wie du möchtest. Klingt verboten gut? Finde ich auch!

Und hier findest du die Kleiderei:
Venloer Str. 459
50825 Köln
Öffnungszeiten: Mi – Sa, 12 – 19

Deshalb habe ich Ladeninhaberin und Modedesignerin Lena zum Interview getroffen und mir genau erklären lassen, was es damit auf sich hat.

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Wie kam es zu der Kölner Depandance? Bisher war die Kleiderei ja hauptsächlich eine Online-Plattform?

Ich kenne die beiden Gründerinnen der Kleiderei, Thekla und Pola schon richtig lange, sie kommen ja auch aus Köln. Thekla war vor Jahren meine erste Praktikantin, seitdem kennen wir uns und sind gut befreundet. Seit der Gründung der Kleiderei 2012 habe ich deshalb auch immer viel von der Entwicklung mitbekommen. Die Idee fand ich von Anfang an super und so entstand auch der Gedanke, vielleicht einmal eine Kooperation zu starten. Ich kenne mich selbst wegen meines Labels Trinkhallen Schickeria gut in der Branche aus, da ich dafür auch viele Vintage-Stücke nutze. So kamen wir auf die Idee, eine Art Franchise zu entwickeln und es bot sich an, das hier in Köln einfach einmal auszuprobieren. Der große Plan ist natürlich, irgendwann in allen größeren Städten in Deutschland so eine Kleiderei-Filiale zu haben. Zwar gibt es viele Leute, die gerne online shoppen – für die ist der Online-Shop perfekt geeignet. Doch was ist mit denen, die lieber direkt in einen Laden gehen, etwas anprobieren und sich beraten lassen? Das lässt sich hier im Laden wunderbar mit dem Kleiderei-Konzept verbinden! Und für mich passt das auch gut mit meinem Label zusammen. Ich habe hier direkt nebenan mein Atelier, kann hier auch nähen und Änderungen machen. Und ich muss sagen: Es läuft gut an!

Welches Feedback habt ihr bisher bekommen?

Es kommen bisher sehr unterschiedliche Leute, was sehr spannend ist. In meinem ehemaligen Vintage-Laden hatte ich viele Studenten als Kunden, hier sind jetzt aber auch viele Leute aus der Nachbarschaft reingekommen, die das Konzept spannend fanden und sich direkt für ein Abo entschieden haben. Im Laden findet man nun auch ganz unerschiedliche Styles, nicht nur Vintage, sondern auch aktuelle Mode. Von trendigen T-Shirts von Marken wie Topshop oder COS bis hin zu etwas originelleren Vintage-Stücken. Gerade diese sind vielleicht nicht für jeden etwas, aber die Kleiderei bietet immerhin die Möglichkeit, etwas auszuprobieren und zu sehen, ob es zu einem passt – ganz entspannt! Auch zurückhaltendere Leute können hier ganz ohne Druck einfach mal etwas Neues ausprobieren und ihre gewählten Stücke im Alltag probetragen. Wenn sie dann so begeistert sind, dass sie es für immer behalten möchten, haben sie sogar die Möglichkeit, es zu kaufen.

Woher bekommt ihr euer Sortiment?

Mein Sortiment hier in Köln ist eine Zusammensetzung aus Vintage-Kleidung, die wir zum Teil auch direkt hier im Atelier umgenäht haben, ganz vielen Kleiderspenden und ausgewählten Designer-Kooperationen. Jeden Monat soll ein neues Label hinzukommen, das nachhaltig arbeitet oder fair produziert. Wir wollen unseren Kunden so Labels vorstellen, die einiges besser machen als die Fast-Fashion-Ketten. So kann man sie kennenlernen, ausprobieren und auch kaufen. Aus Köln sind bisher das bekannte nachhaltige Label Lanius dabei, mein eigenes Label Trinkhallen Schickeria sowie Zitat und Elektropulli. Außerdem findet man hier auch Teile von der Würzburgerin Britta Manger und von Edda Mör aus Wuppertal. Gerade für neue Labels ist das eine tolle Möglichkeit, denn die Zielgruppe dieser Labels ist im Normalfall auch die Zielgruppe der Kleiderei. So bieten wir den Kunden die Möglichkeit, Neues kennenzulernen und nehmen ein bisschen Recherchearbeit ab, schließlich muss man doch immer sehr up-to-date sein, um neue Labels zu finden. Nachhaltige Kleidung ist schließlich nicht an jeder Ecke zu haben.

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Warum sind euch Nachhaltigkeit und Fair Fashion so wichtig?

Mir persönlich ist das sehr wichtig. Mein Label Trinkhallen Schickeria ist ebenfalls sehr nachhaltig, das betreibe ich schon seit 10 Jahren. Es ist für mich sehr spannend, dass die tendenzielle Entwicklung in diese Richtung geht und das Interesse der Menschen an Nachhaltigkeit immer mehr steigt. Das liegt natürlich auch daran, dass die Missstände in der Textilindustrie immer bekannter werden – sei es nun der Aspekt der unfairen Bezahlung und der unmenschlichen Behandlung der Arbeiter oder die negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Eigentlich gibt es jetzt schon genügend Kleidung auf der Welt, um erst einmal ein paar Jahre überhaupt nichts Neues mehr produzieren zu müssen. Oft braucht man auch nichts Neues mehr: Was für den einen unbrauchbar geworden ist, stellt sich oft für den anderen als neues Partykleid heraus. Wer die Lust verspürt „Ich brauche etwas Neues“ – das kennt man ja! – der kann einfach hierhin kommen, sich ein bisschen Abwechslung in den Schrank holen und die Stücke dann wieder zurückbringen, sobald man sich daran sattgesehen hat. Dann kommt der Nächste dran!

Wie funktioniert denn eine Mitgliedschaft bei euch?

Wer sich hier anmeldet, bekommt einen Mitgliedsausweis und kann damit den ganzen Laden hier wie einen zweiten Kleiderschrank nutzen. Für 25 Euro (22 Euro für Studenten) kann man sich immer vier Teile auf einmal ausleihen und beliebig oft austauschen und beliebig lange behalten. Nur die Stücke aus unseren Designer-Kooperationen dürfen nur einen Monat lang mitgenommen werden. Wenn man sich wirklich in ein Teil verliebt und merkt, man würde es am liebsten dauerhaft leihen, dann kann man es bei uns auch kaufen. Unser Anliegen ist es, Lieblingsstücke zu finden und von den Fehlkäufen und dem unüberlegten Fast-Fashion-Konsum wegzukommen. So konsumiert man viel weniger und trägt wirklich die Stücke, die man gerne mag. Bei unserem Abo gibt es eine Startphase von drei Monaten, damit man auch wirklich einmal den Nutzungs-Flow und die Vorteile davon erlebt – danach kann man monatlich kündigen. Allerdings ist diese Kölner Dependance aus logistischen Gründen losgelöst vom Online-Shop: Wer hier Mitglied ist, kann nicht automatisch auch online bestellen und auch anders herum. Man muss sich also für eine Variante entscheiden – oder einfach beides nutzen!

Vielen Dank, liebe Lena, für das Interview!

Übrigens: Ihr wisst nicht, wohin mit euren abgelegten Klamotten? Noch gut in Schuss, aber nicht mehr heiß geliebt? Die Kleiderei in Köln nimmt auch sehr gerne Kleiderspenden an. Falls sie nicht ins Sortiment passen, kooperiert Lena mit einem nahegelegenen gemeinnützigen Verein zur Hilfe Obdachloser. Eure alten Schätze kommen also in gute Hände! Meldet euch dafür einfach bei Lena.

Wegkommen vom blinden Konsumieren und hin zur bewussten Entscheidung für Lieblingsstücke – dieses Konzept überzeugt, ist jung, hip und geht voll mit der Zeit! Wer sich selbst davon überzeugen will und vielleicht mal in das ein oder andere Paar Hosen, Röcke oder T-Shirts schlüpfen möchte, der kann das mittwochs bis samstags von 12 bis 19 Uhr in Köln-Ehrenfeld tun. Aber Vorsicht: Suchtgefahr!

Ich werde mich jetzt erst noch einmal durch meine vier schönen neuen Lieblingsteile probieren und überlegen, was ich davon ich als erstes anziehen werde!

6 Kommentare

  1. WOW! Das nenne ich mal eine unheimlich coole Idee. Ich kannte bisher auch den Onlineshop noch nicht.
    Da ich aber in Zukunft mehr auf diese Dinge achten möchte werde ich da heute mal rumstöbern 🙂
    Danke für die Inspirationen und Köln ist auch nur eine Stunde entfernt 😀
    Lg Tami ♥

    • Liebe Tami,
      das freut mich sehr! Ich wünsche dir viel Spaß beim Rumstöbern! 🙂

  2. Was für ein schöner Artikel!
    Ich hab’s leider selbst nicht zur Eröffnung der Mädels geschafft – Hamburg ist doch so weit weg – aber bin seither ganz neugierig auf den Laden! Ein paar schöne Einblicke hast du hier gesammelt. 🙂

    Und so ganz am Rande: Schreibst du ganz wunderbar!
    Liebste Langsame Modegrüße aus der Hansestadt,
    Anna vom Kunstkinder Magazin

    • Liebe Anna,
      das stimmt, Hamburg ist da einfach ein gutes Stück zu weit! 😉 Aber falls es dich mal nach Köln verschlägt, lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch – und sonst gibt es ja noch die Online-Variante.
      Und: vielen, vielen Dank, sehr lieb von dir! 🙂

  3. ich bin ein riesen fan von second hand und floh-markt-ähnlichem flair. ich hab schon so geile sachen abgestaubt und das beste an der sache ist es, kleider und kram nicht einfach wegzuwerfen. es finden sich immer leute die sich über diese dinge freuen und menschen ohne viel geld kann man so sehr weiterhelfen. toller tipp daher :))

  4. Wow! Toller Artikel, super Idee! ich würd das wirklich gerne mal ausprobieren da ich seid neustem alles gespendet habe was ich gar nicht mehr trage und eigentlich noch mehr weggeben könnte, aber naja dann müsste ich so gut wie halb nackt rumlaufen hahaha
    Bin gerade dabei meinen Konsum stark runterzufahren und habe Schwierigkeiten Alternativen zu finden. Diese Idee passt also perfekt für mich! Bin aber leider erst mal in ein paar Monaten weg aus Deutschland aber wenn ich zurück komme werd ich definitiv darauf zurück greifen und vielleicht verbreiten sich die Läden bis dahin ja!! Ich würd es mir für euch wünschen! Bis dahin alles gute!! 😀

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