Oma Klara: Vintage-Mode aus Omis Kleiderschrank

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In Omas Kleiderschrank zu stöbern und alte Kleiderschätze wiederzuentdecken ist heute total in. Mona Schütt vom Online-Shop Oma Klara hat sich dieser Mission ganz verschrieben: Bei ihr finden Vintage-Liebhaber alte Stücke aus früheren Zeiten – direkt aus Omas Kleidersammlung. Im Interview verrät die ehemalige Beamtin aus Stuttgart, warum sie ihren sicheren Job an den Nagel hängte und ihr Leben der Slow Fashion verschrieb.

Als Vintage-Fan findet man im Shop wunderschöne Einzelstücke. Warum ständig Neues kaufen, wenn man doch auch wunderschöne Second Hand Kleidung vor dem Einstauben retten kann? Der Shop von Oma Klara bietet Schätze aus den unterschiedlichsten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts: Designerkleider, Ledertaschen und vieles mehr. Was alle gemeinsam haben: Ihr ehemaligen Besitzerinnen liebten die Stücke so sehr, dass sie sie bis heute aufgehoben haben. Heute werden die Seniorinnen am Erlös beteiligt, wenn eines ihrer Vintage-Schätzchen einen neuen Träger über Oma Klara findet.

Neben dem Slow-Fashion-Gedanken hat sich Oma Klara auch dem Austausch zwischen den Generationen verschrieben: Mit den Stücken aus alten Zeiten geben die Omis nicht nur einige ihrer Lieblingsteile weiter, sondern teilen auch alte Erinnerungen mit den neuen Käuferinnen. Ob glamouröse Party, Familienausflug oder Stadtbummel mit dem Liebsten – hinter fast jedem Kleidungsstück steckt eine ganz besondere Geschichte.

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Bei Oma Klara findest du neue Käufer für Vintage-Kleidung. Warst du selbst auch schon immer Vintage-Liebhaber?

Ich bin auf jeden Fall schon lange ein sehr großer Vintage-Fan. In meiner Jugend war ich immer auf der Suche nach ganz besonderen Einzelstücken. Ich war gerne auf Flohmärkten und in Second Hand Läden. Angefangen hat alles mit Möbeln und Schmuck und ging dann schließlich mit Kleidung weiter. Inzwischen würde ich am liebsten vollständig Second Hand einkaufen. Deshalb freue ich mich auch immer, wenn bei Oma Klara Sachen in meiner Größe dabei sind. Inzwischen finde ich in davon in unserem Sortiment immer mehr, weil der Bestand ständig größer wird.

Wann war für dich der Knackpunkt, deinen alten, sicheren Job an den Nagel zu hängen und mit Oma Klara durchzustarten?

Bei mir war das eine Entwicklung. Es kam nicht von heute auf morgen, dass ich gemerkt habe, dass mein alter Job nicht mehr passte. Ich realisierte, dass mein Job mich nicht mehr erfüllte und ich habe überlegt, was ich stattdessen machen möchte. In diesem Prozess habe ich mir ganz viel Zeit für mich selbst genommen. So habe ich gemerkt, dass ich den Wunsch habe, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Irgendwann kam dann die Idee für Oma Klara auf. Ich hätte sicher bereut, wenn ich den Schritt nicht gemacht hätte.

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Stücke aus der neuen Kollektion „Mohnblumen“

Wie leicht war der Start für dich mit Oma Klara?

Am Anfang habe ich sehr aktiv nach Seniorinnen gesucht, um das Ganze ins Rollen zu bringen. Ich habe Emails geschrieben, Flyer verteilt und aktiv den Kontakt gesucht. Am Anfang kennt einen ja noch niemand. Ich hatte außerdem das Glück, dass ich früh einen schönen Artikel in der Stuttgarter Zeitung hatte, durch den viele Seniorinnen auf Oma Klara aufmerksam geworden sind. Das hat den Stein noch mehr ins Rollen gebracht, danach hat mein Telefon die ganze Zeit geklingelt und viele Omis aus dem Kreis Stuttgart haben angerufen, um mitzumachen. Das war für mich schön zu sehen, denn die Omis haben sich sehr über das Konzept gefreut. Es hat mich auch positiv überrascht und etwas sprachlos gemacht, dass die Seniorinnen das so gut aufgenommen haben. Es haben sich viele bei mir bedankt, weil es davor keine Anlaufstelle für ihre Kleiderschätze gab und sie befürchtet haben, dass ihre Stücke im Altkleidersack landen könnten.

Wie wichtig ist dir der Aspekt der Nachhaltigkeit beim Tragen von Vintage-Mode?

Für mich ist Vintage- oder Second Hand Mode zu kaufen eigentlich die nachhaltigste Art und Weise des Kleiderkonsums. Denn es sind Stücke, die bereits da sind, und man kann wunderbar den Lebenszyklus der Kleidung verlängern. Das sehe ich auch ein bisschen als meinen Auftrag an, mich dieser Stücke anzunehmen.

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Neben tollen Vintage-Stücken findet man bei Oma-Klara auch oft die jeweilige Geschichte hinter dem Kleidungsstück. Wie wichtig sind die Geschichten für die Omis?

Die Geschichten hinter den Kleidungsstücken sind den Omis und mir wirklich sehr wichtig. Wenn  sich die Seniorinnen bei Oma Klara melden, dann wissen sie, dass ihre Stücke mit Wertschätzung aufgenommen werden und mit ebenso viel Wertschätzung an die Kundinnen weitergegeben werden. Ich finde es auch immer wieder wundervoll, weil die Omis ihre Geschichten meist schon griffbereit haben. Oft haben sie sich im Vorfeld bereits überlegt, aus welcher Jahreszeit das Stück stammt. Manchmal haben sie auch aus den Fotoalben bereits Bilder von früher von den Stücken herausgesucht. Das finde ich einfach fantastisch! Es ist so schön zu sehen, wie die Omis als junge Mädchen oder Damen die Kleidungsstücke selbst getragen haben. Dass sie die Stücke heute, viele Jahrzehnte später, noch besitzen, zeigt wie wichtig ihnen die Stücke sind.

Gibt es Geschichten, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Es gibt so viele tolle Geschichten! Natürlich kann ich mich besonders an die ersten sehr gut erinnern. Aber mittlerweile bekomme ich auch viele wunderbare Geschichten bei den Stücken, die wir per Post erhalten. Neulich habe ich beispielsweise zwei blaue Kleider von einer Omi erhalten, die sie vor über 50 Jahren zu den Hochzeiten ihrer zwei Brüder angezogen hat. Die beiden haben damals im selben Jahr geheiratet. Letztes Jahr war die Omi auf den goldenen Hochzeiten von beiden Brüdern, die  noch heute beide glücklich verheiratet sind. Da hat sie beschlossen, dass sie jetzt bereit ist, sich von den Kleidern zu trennen. Das fand ich wunderschön! Beide Kleider haben inzwischen eine neue Besitzerin gefunden.

Bei einer anderen meiner Lieblingsgeschichten geht es um ein Designerkleid von Oma Heidi. Sie hat fünf Stücke an uns weitergegeben – alle von einem finnischen Designer – und sie sind alle vom Schnitt und den Farben total besonders. Von einem Kleid hatte sie ein Foto, auf dem sie das Kleid als 19-Jährige trägt. Sie hat mir erzählt, dass sie damals zu dem Kleid kam, als sie mit ihrem Bruder einen Stadtspaziergang machte.

Ihr Bruder hatte das Kleid in einem Schaufenster entdeckt und sie dazu animiert, es zu kaufen. Sie kaufte es und er machte die Bilder von ihr. Später wurde er ein sehr bekannter Modefotograf, der auch für die Elle in Paris gearbeitet hat. Eine wunderschöne Geschichte, weil man hier schon merkt, welches Modeverständnis der Bruder bereits damals hatte, als er sie zum Kauf des Kleides überredet hat. Das war in den 60er Jahren und heute hat das Kleid über Oma Klara eine neue Besitzerin gefunden.

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Omi Bettinas Kleid aus den 70er Jahren – damals & heute

Wie ist es um das Modeverständnis bei den Omis bestellt?

Es sind viele Omis dabei, die ein tolles Modeverständnis haben. Ich bekomme teilweise von Designern erzählt, von denen ich noch nie zuvor gehört habe. Oma Ingrid aus Stuttgart war beispielsweise früher immer auf Fashion Weeks und kennt sich sehr gut mit Designern und Schnitten aus Japan aus. Viele Seniorinnen schmeißen sich in Schale, wenn wir vorbeikommen. Sie ziehen dann extra ein tolles Kleid an, legen Schmuck an und tragen Lippenstift auf. Letzte Woche waren wir bei einer Omi, die uns ihre Stücke ganz toll präsentiert hat: Wir durften uns in einen Schaukelstuhl setzen und sie hat uns ihre wahnsinnig schönen Kleider vorgeführt und hatte einen riesigen Spaß dabei

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Oma Doris damals & heute

Wer interessiert sich für Oma Klara?

Die Zielgruppe liegt bei Anfang 20 bis Ende 30… Viele der Kundinnen haben ein nachhaltiges Interesse am Modekonsum und setzen sich mit dem Thema Fair Fashion und Nachhaltigkeit sehr auseinander. Sie kaufen gerne Second Hand und Vintage und wollen damit auch Gutes tun. Viele suchen auch besondere Einzelstücke und haben sich abgewandt von typischen Massenstücken und den üblichen Modeketten.

Das Feedback, das wir von den Kundinnen bekommen, versuchen wir auch immer an die Omis weiterzugeben. Genauso ist es mit Bildern: Erst vor Kurzem habe ich von einer Kundin ein Foto bekommen, dass ich dann Oma Marina weiterschicken konnte. Sie hat sich sehr gefreut, ihr altes Stück wieder angezogen an einem jungen Mädchen zu sehen.

Liebe Mona, vielen Dank für das Interview!

Fotos: Mona Schütt // Oma Klara

4 Kommentare

  1. Liebe Leonie!

    Das ist ein wunderschöner Artikel voller toller Inspiration – diesen Shop kannte ich noch gar nicht, aber da ich Vintage sehr gerne mag, werde ich da auf jeden Fall gleich einmal vorbeischauen!
    Das Konzept finde ich ganz großartig und vorbildlich – die Liebe, die hinter dem ganzen Projekt stecken muss, hast du auch wunderbar in Worte gepackt. Sie kommt beim Lesen sofort rüber. 🙂
    Danke dir für die tolle Inspiration und die schönen Geschichten!

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Liebe Jenni,
      vielen Dank für dein liebes Feedback! Es freut mich sehr, dass dir das Interview und das Konzept von Oma Klara so gut gefallen.
      Ganz liebe Grüße an dich
      Leonie

  2. Liebe Leonie,
    dieses Interview ist ganz toll. Bisher wusste ich nichts von Oma Klara und das Konzept finde ich super gut. Beim Lesen des Interviews musste ich an meiner Oma denken, als sie mir vor zwei Monaten eins ihrer Lieblingskleider präsentiert hat, das sie bereits seit über 20 Jahren besitzt aber nur einmal getragen hat. Ich fand die Geschichte hinter dem Kleid so toll und habe sie dazu animiert das Kleid zu einer Hochzeit anzuziehen. Da hat sie sich riesig gefreut, dass sie das Kleid endlich wieder tragen kann.
    Liebste Grüße
    Natalie
    https://www.livolett.de/

  3. Hey Leonie,

    kann den vorherigen Kommentaren nur zustimmen. Ein wirklich liebevoll verfasster Artikel über ein tolles Projekt. Habe auch noch ein paar Kleider von Oma im Schrank 🙂

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