Julia von Lillika Eden: „Wir setzen auf fair, vegan und nachhaltig“

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Mal schnell ein neues Paar Schuhe? Eine andere Jeans? Eine schickere Handtasche? Heutzutage kein Problem, schon für wenige Euro wird man fast überall fündig. Doch was steckt wirklich hinter den Produkten? Von wem wurden sie produziert und vor allem – unter welchen Bedingungen?

Während viele Labels (und Käufer) leider noch immer auf Masse statt Klasse setzen, gibt es langsam immer mehr Unternehmen, die auf faire und nachhaltige Produktion wert legen. Eines davon ist das junge Modelabel Lillika Eden aus Berlin, das seine Mode nicht nur nachhaltig, sondern auch vegan produziert. Im Interview verriet mir Designerin Julia nicht nur, warum ihr Nachhaltigkeit so wichtig ist, sondern auch wieso sie nie für eine andere Marke hätte arbeiten können.

Pünktlich zum Jahrestag der Fair Fashion Revolution am 24. April dreht sich auch heute auf glowing alles um dieses Thema: Vor drei Jahren wurden bei einer großen Explosion in einer Fabrik in Bangladesh mehr als 1000 Menschen getötet. Weitere 2500 wurden verletzt. Ein schreckliches Ereignis, das einmal mehr vor Augen führt, dass die Konsumgesellschaft, wie wir sie kennen, ein Ende finden muss. An diesem Tag startete die Fair Fashion Revolution – ein Zeichen dafür, dass immer mehr Menschen sich für faire und nachhaltige Produktion einsetzen.

Bereits in den letzten Tagen beschäftigten sich auch im World Wide Web viele Blogger mit diesem Thema. Auf Instagram teilten viele unter dem Hashtag #iknowwhomademyclothes ihre nachhaltige Mode und wendeten sich mit #whomademyclothes kritisch hinterfragend an die Firmen selbst. Wer noch mehr zu diesem Thema erfahren und einige wunderschöne Fair-Fashion-Outfits sehen möchte, kann auch bei 24 anderen grünen Bloggern tolle Inspirationen finden. Julia und Anna von subvoyage haben in ihrem Post alle Details zusammengetragen.

Die ersten Überlegungen, das vegane Fashion-Label Lillika Eden zu gründen, gab es bereits 2013 – im selben Jahr, in dem auch die Fashion Revolution startete. Nach gründlicher Recherche, viel Vorabeit und ersten Designs brachten Julia und ihr Mann ein Jahr später mit Lillika Eden ihre erste eigene Kollektion auf den Markt. Seitdem ist viel passiert. Im Interview verrät Designerin Julia, wie schwer der Launch ihrer eigenen Marke wirklich war und was sie heute an ihrer Arbeit besonders begeistert.

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Was war der ausschlaggebende Punkt, an dem du gemerkt hast, dass du dein eigenes Label gründen willst?

Einen wirklich ausschlaggebenden Punkt gab es in der Form eigentlich nicht. Das war eher schon immer mein Traum. Ich war als Kind schon sehr kreativ und habe viel gezeichnet. Der erste Schritt, den ich gewagt habe, war es dann, Modedesign zu studieren und wirklich einen Beruf daraus zu machen. Als ich während meines Studiums und auch durch Praktika immer mehr in die Modewelt hineingerutscht bin, habe ich allerdings gemerkt, dass ich im Grunde nie für jemand anderen arbeiten möchte, sondern mir selbst etwas aufbauen will und ein eigenes Label gründen will. Den Gedanken, für eine große Marke zu arbeiten, fand ich immer total langweilig, deshalb war das schon mal keine Alternative.

Der Fokus von Lillika Eden liegt auf Nachhaltigkeit und fairer Produktion. Wie schwierig ist es denn, sich als nachhaltiges Start-up zu etablieren?

Es ist generell schwierig, ein Modelabel zu etablieren und aufzubauen, das hat nicht so viel mit der Nachhaltigkeit zu tun. Das ist unglaublich zeitintensiv, vieles dauert viel, viel länger als man denkt. Besonders das Verbreiten der eigenen Marke, das Bekanntmachen, ist der größte Aufwand und dauert sehr viel Zeit. Wir arbeiten immer noch daran, dass mehr Leute wissen, dass es uns gibt.

Gab es bisher denn schon Erfolgsmomente, an denen ihr gemerkt habt, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?

Ja auf jeden Fall, das fing mit dem Launch unserer ersten Kollektion an, als Boutiquen unsere Designs gekauft haben. Das war schon einmal das erste Erfolgserlebnis, das uns sehr motiviert hat. Zwar wäre es auch nicht wirklich schlimm gewesen, wenn es anders gekommen wäre, denn das wäre sogar zu erwarten gewesen. Es geht schließlich nicht jedem Label so, dass es von der ersten Saison an verkauft. Aber so war es natürlich ein tolles Erlebnis.

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Habt ihr ein bestimmtes Erfolgskonzept oder mit Lillika Eden einfach den Nerv der Zeit getroffen?

Anfang 2014 waren wir wirklich so eines mit der ersten nachhaltigen Modelabel in dieser Form. Es war einfach eine Marktlücke: Die Verbindung von moderner Mode, die wirklich tragbar ist und nicht nach Ökomode aussieht, aber dennoch nachhaltig produziert ist und aus nachhaltigen Bio-Stoffen besteht. 2015 waren dann bereits einige neue Labels hinzugekommen, aber es ist immer noch eher eine Nische.

Werden denn größere Marken deiner Meinung nach bald nachziehen?

Hier gibt es etwas mehr Fair-Fashion-Inspiration für den Frühling!

Ich weiß nicht, wann und ob größere Marken nachziehen werden, aber der Trend zur Nachhaltigkeit ist auf jeden Fall da und er wird sich auch verstärken. Bei einer Marktrecherche kam erst vor Kurzem heraus, dass Nachhaltigkeit in der Modebranche eine zunehmend größere Rolle spielen wird. Das zeichnet sich ja auch seit Jahren bereits ab, denn nachhaltige Mode wird immer mehr konsumiert, während konventionell produzierte Mode statistisch gesehen rückläufig ist.

Warum ist Nachhaltigkeit für euch denn so wichtig?

Für mich gibt es einfach keine Alternative. Das ist schwer in Worte zu fassen, am besten gelingt es mir immer so: Etwas Schönes darf einfach nicht unter hässlichen Bedingungen entstehen, denn sonst ist es nichts Schönes mehr! Wenn ich die Wahl habe, ob ich ein Produkt guten Bedingungen herstelle und es den daran beteiligten Leuten gut geht, dann nehme ich lieber diesen Weg, als absichtlich etwas schlecht oder hässlich zu machen – das liegt einfach nicht in meiner Natur. Bei den großen Marken geht es leider oft einfach nur um Gewinn. Vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb ich nie zu einem anderen Label wollte, weil das von den Grundsätzen her einfach oft nicht gepasst hätte.

Trägst du deine Mode denn auch selbst?

Natürlich! Das versteht sich von selbst, ich mag alle Stücke sehr gern, es gibt nichts, was ich nicht tragen würde. Ich liebe aus der aktuellen Kollektion besonders die schwarz-weiße Jacke und die dazu passende Tasche. Das Musterteil der Tasche habe ich bei uns im Atelier auch selbst hergestellt und trage es heute auch selbst. Dann haben wir noch ein Kleid, das Fortune Dress, das trage ich auch sehr gerne. Es ist einfach total bequem und perfekt flauschig und warm, das war toll im Herbst und Winter. Ein echter Figurschmeichler.

Die Designs von Lillika Eden sind eher schlicht und clean. Wie wird das künftig weitergehen?

Dieser Linie will ich treu bleiben. Allerdings soll bald auch etwas mehr Farbe in meine Designs kommen und auch mehr Muster. Vor allem Blumenmuster. Aber bei Stoffen in Bio-Qualität gibt es keine große Auswahl, eigentlich gibt es überhaupt keine gemusterten Stoffe, die man einfach so ab Lager kaufen kann. Das geht nur, wenn man sie sich selbst anfertigen lässt und da ist die Bestellmenge etwas höher. Doch das ist inzwischen kein allzu großes Problem mehr. Zum einen sind wir gewachsen und müssen auch mehr Stoff bestellen. Zum anderen gibt jetzt auch einen Hersteller, der sein Konzept geändert hat, so dass man auch bereits ab wenigen Metern einen eigenen Stoff herstellen lassen kann – sogar in Deutschland gewebt und gefertigt! Deshalb stehen die Chancen nun besser, dass wir künftig auch gemusterte Stoffe in unsere Schnitte integrieren können.

Momentan designt ihr hauptsächlich für Frauen, soll das so bleiben?

Wir wollen auf jeden Fall auch bald für Männer designen, das ist geplant! Wir haben diese Woche schon angefangen, Entwürfe zu machen und erste Gedanken zusammengetragen. Momentan lässt sich noch nicht genau sagen, wann die Umsetzung erfolgen wird, aber wir haben schon oft Anfragen von Männern bekommen. Das waren meist Männer, die bei uns im Atelier waren und dann ganz begeistert von unseren Produkten waren. Die Nachfrage wäre also auf jeden Fall da! Wir hatten am Anfang hin und her überlegt, ob unser Markenname nicht zu weiblich ist. Doch alle, die wir gefragt haben, schreckt das nicht ab.

Du hast ja auch einen wichtigen Mann in deinem Team, deinen eigenen. Mit ihm hast du Lillika Eden geinsam gegründet und ihr arbeitet tagtäglich zusammen. Gibt es da auch mal Schwierigkeiten?

Das klappt bisher wirklich super. Natürlich haben wir immer mal wieder eine unterschiedliche Meinung oder einen anderen Geschmack, aber das passt sonst sehr gut zusammen, denn wir ergänzen uns sehr gut. Zwar sind wir sind für unterschiedliche Bereiche bei Lillika Eden zuständig, können uns aber über alles austauschen und gegenseitig nach der Meinung des anderen fragen. Das ist sehr angenehm. Wenn man in einer Beziehung ist, trägt man ja sowieso alles, was man in der Arbeit erlebt, mit nach Hause und bespricht das mit seinem Partner. Bei uns ist das so: Der Partner ist ganz automatisch schon im Bilde und weiß Bescheid, das ist sehr praktisch.

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Wie sieht eure Aufgabenteilung denn aus?

Mein Mann macht sehr viel Organisatorisches: Er baut den Online-Shop auf, kümmert sich um die Website, die Mitarbeiter und die Praktikanten. Außerdem arbeitet er auch mit Models und Fotografen zusammen und sorgt für das Marketing.

Ich selbst bin ziemlich froh, wenn ich wirklich mal zum Designen komme, des es gibt so viel drumherum, was zu erledigen ist. Angefangen beim Stoffeinkauf, bis man die Richtige Qualität hat, die richtige Farbe und es auch zur Richtigen Zeit bekommt – da ist viel zu organisieren. Außerdem bin ich in die ganze Produktionsplanung involviert und stehe immer in Kontakt zur Produktion und zu den Schnittmachern. Und dann sind da natürlich noch die anderen Aufgaben einer Geschäftsführerin: Die Buchhaltung und viel, viel Emailverkehr.

Trotz einiger organisatorischen Aufgaben hast du einen sehr kreativen Beruf und lebst das, was du dir immer gewünscht hast. Hättest du das je gedacht?

Ich habe mir das immer gewünscht und vorgestellt, aber es wirklich zu machen, ist schon ein krasses Gefühl – im guten Sinne! Eigentlich habe ich jeden Tag so eine Minute, in der ich einfach im Atelier sitze, mich umgucke und mir denke „Wahnsinn, ich darf das wirklich machen!“. Ich bin wirklich sehr dankbar dafür, dass das alles so geklappt hat.

Was sind deine Lieblingsmomente während deines Arbeitstages?

Das ist auf jeden Fall die kreative Arbeit, also wenn ich mich hinsetzen kann und Entwürfe machen kann, mit Farben und Stoffen herumexperimentiere. Und mir neue Sachen einfallen lassen kann. Es ist wunderbar, dass man theoretisch alle seine Traumkleider herstellen könnte. Alles, was man am liebsten selbst hätte, kann man entwerfen – und nicht nur für sich selbst, sondern natürlich für ganz viele Frauen. Denn mein Hauptaugenmerk liegt darauf, dass meine Designs auch vielen anderen Frauen Freude bereitet.

Woher nimmst du denn deine Inspiration für Lillika Eden?

Eine schwere Frage, oft sind es die Farben und Muster an sich. Manchmal ist es auch so, das ich abends im Bett liege und entspanne und mir da dann spontan eine Idee für einen Schnitt oder für ein bestimmtes Detail kommt. Da fällt mir dann plötzlich ein, wo ich eine bestimmte Öffnung oder ein Reißverschluss platzieren muss. Abgesehen von diesen Geistesblitzen, setze ich mich normalerweise hin, sehe mir mein Körpermodell an und fange an, zu zeichnen. Da ergibt sich das dann einfach!

Wie kannst du denn am besten entspannen? Ist es schwierig für dich, dir am Wochenende oder Zwischendurch auch mal eine Auszeit zu gönnen?

Wir haben das große Glück, dass wir auf dem Dach unseres Büros eine Dachterrasse haben. Da fahren wir mittags oft mal für eine halbe Stunde rauf und setzten uns in die Sonne – das ist eine tolle Auszeit. Am Wochenende kann ich leider nicht immer abschalten, da arbeite ich gedanklich auch mal durch, wenn gerade Stress ist. Aber was mir immer hilft, das sind Filme, die liebe ich sehr. Außer es ist ein Film über Mode!

Liebe Julia, vielen Dank für das Interview!

 


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2 Kommentare

  1. Wow tolles Interview! Ich finde super was ihr da auf die Beine stellt. Die meisten vergessen den Wert von Kleidung, aber auch von allen weiteren Ressourcen, daher liebe ich es, wenn Menschen sich für vegane Alternativen einsetzen. Super toller Job Mädels 🙂

  2. Mal ganz davon abgesehen, dass ich die Idee hinter diesen Kleidern natürlich toll finde (und viel mehr Leute und Firmen so denken sollten), komme ich als Fotografin nicht umhin zu sagen: die Fotos sehen richtig toll aus!

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, als mir eine vegan lebende Freundin vor zwei, drei Jahren einen veganen Laden gezeigt hat. Damals sahen die Klamotten dort noch genau so aus, wie man es sich mit all seinen Vorurteilen vorstellt.
    Aber da hat sich definitiv sehr viel getan!

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