Ich bin nicht perfekt

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Wie perfekt muss man eigentlich sein? Gerade in unserer schnellebigen Social-Media-Welt muss man sich diese Frage wohl immer wieder stellen – oder sollte das zumindest. Denn nicht selten lautet die Antwort: Das Leben der Anderen ist nicht perfekt, genauso wenig wie deines, und das ist auch gut so! Eine kleine Kolumne.

Diese Fotos liegen nun schon eine gefühlte Ewigkeit auf meiner Festplatte und warten auf einen passenden Text. Lustig, unterhaltsam, einfühlsam, einzigartig – das waren meine ganz dezent übertriebene Vorstellungen dafür. Ungefähr fünf Abende saß ich vor dem Computer, völlig motiviert und überzeugt davon, dass jetzt bestimmt die richtigen Worte auf den Screen gebracht würden – und: nichts.

Es kamen zwar Ideen, doch nichts schien mir gut genug, nichts wirklich wert, es aufzuschreiben und öffentlich zu teilen. Und dann habe ich bei Snapchat (@glowingleonie) ein paar sehr inspirierende Worte gehört: „Dieser ganze Perfektionismus geht mir auf die Nerven!“

Schein-Sein

Gemeint war dieser ganze übertriebene Social-Media-Perfektionismus. Julia von juliary hat da ihrem Ärger freien Lauf gelassen über all die leeren, aber doch sehr hübsch anzusehenden Luftblasen, die da durch das Internet und somit auch durch unsere Köpfer geistern. All die makellosen Bäuche, kuschligen Socken an nackten Beinen und die überbelichteten low-carb Food-Trends, die einem auf Instagram im Sekundentakt begegnen.

Als ich Julias Worte gehört habe, fing es bei mir an, zu rattern, denn sie hat ja so recht. Natürlich ist das keine neue Erkenntnis, vermutlich hinterfragt jeder zumindest ein bisschen den Social-Media-Hype und was er für Folgen hat. Trotzdem denke ich, dass wir genau dieses kritische Hinterfragen im Alltag viel zu selten tun – sei es nun im Bezug darauf, wie wir uns online darstellen oder wie wir andere online erfahren oder aber auch wie wir im echten Leben rüberkommen wollen. Zwar hat Instagram-Star Essena O’Neill vor einigen Wochen für großes Aufsehen gesorgt mir ihrem (angeblichen?) Ausstieg aus dieser Scheinwelt, doch so rasch das Thema damals in aller Munde war, so schnell war es auch wieder vergessen. Grund genug, um sich dieses Thema selbst ab und an vor Augen zu führen.

Der Wahn vom perfekten Leben

Denn die ganze Social Media Welt ist so besessen vom Wahn des perfekten Lebens, dass wir dabei manchmal das Wesentliche aus den Augen verlieren. Die Werte, die uns eigentlich wichtig sein sollten, rücken immer mehr in den Hintergrund. Statt mich auf mein leckeres Mittagessen zu freuen, verbringe ich erst einmal zehn Minuten, um den perfekten Shot davon zu machen. Ergebnis: 200 Likes und ein kalter Teller. Macht das wirklich glücklich?

Auf Instagram ist alles so schön, dass es fast weh tut, auf Youtube spielen eine professionelle Ausleuchtung und ein optimal in Szene gesetzter Hintergrund (möglichst unscharf, ist ja eh klar) eine immer größere Rolle und sind wir ehrlich: auch im wahren Leben geben wir nur ungern zu, dass auch wir nicht unfehlbar sind. Kein Wunder, dass uns all das zunehmend unter Druck setzt.

Was ich damit sagen will: Wir setzen so oft eine Maske auf, sei es online oder offline, nur um zu vertuschen, wer wir wirklich sind. Vielleicht, weil wir Angst haben, nicht gut genug zu sein, nicht hübsch genug, nicht schlau genug, nicht perfekt genug. Doch genau diese Angst und dieser Druck, immer ein optimales Bild von sich selbst zeichen zu müssen, sollte wirklich nicht sein. Ich finde es sehr schade, dass unsere moderne Technik, die eigentlich unser Leben erleichtern sollte, oft auch solche Schattenseiten mit sich bringt.

Richtung: perfekt – wohin muss ich da?

Ich bin weit entfernt von dem, was man allgemein als perfekt bezeichnen würde: Ich bin launisch, faul, verfressen, unzufrieden, neidisch, erschöpft, gemein, überambitioniert, und und und. Diese Liste könnte man sicher noch endlos fortsetzen. Denn ja, ich gebe es zu: Das alles ist da irgendwo in mir und ab und zu kommt es zum Vorschein, mal mehr, mal weniger. Und hier ist das große offene Geheimnis: Das ist nicht schlimm! Denn das steckt in uns allen!

Die Frage ist nicht, wie verstecken wir diese Aspekte unseres Selbsts vor allen Anderen. (Indem wir schöne überbelichtete Fotos posten und nette Sprüche dazu schreiben? Indem wir uns hinter schönen Handtaschen und Lippenstift verstecken? Indem wir Likes sammeln, um uns durch die Anerkennung von außen besser zu fühlen? Indem wir immer ein Lächeln aufsetzen und zu allem Ja und Amen sagen?) Nein. Die wichtige Frage ist: Wie können wir selbst diese Anteile von uns akzeptieren? Und was machen wir daraus?

Mir fällt es oft nicht leicht, meine mir meine Schwächen anzusehen und mich trotzdem zu mögen. Beziehungsweise: Manchmal ist es schon Herausforderung genug, sie erst einmal zu erkennen. Aber sie sind ein Teil von mir und ich kann nur an ihnen arbeiten, wenn ich sie ansehe und akzeptiere.

Ich bin nicht perfekt – na und?

Ja, ich bin unordentlich. Ja, ich bin manchmal neidisch. Ich weiß, all das ist ein Teil von mir. Doch indem ich sie selbst akzeptiere und sie mir eingestehe, werden sie immer unwichtiger. Und ich muss nicht mehr versuchen, meine Schwächen vor anderen zu verstecken. Stimmts?

Ich bin nicht perfekt – what about you?

Und deshalb gibt es hier auch noch die „echte“ Story hinter den Bildern, die ich euch in diesem Post eigentlich zeigen wollte – ganz unlustig und unaufregend: Es war Sonntag, Prüfungszeit, ich war gestresst vom Lernen und dem Spagat zwischen Uni und Blog. Trotzdem wollte ich gerne die Outfit-Bilder schießen. Also musste der arme Kosta mit mir einen Spaziergang machen (total freiwillig), natürlich haben wir uns irgendwo in die Haare bekommen, uns wütend bei Cinnamon Buns angeschwiegen, versöhnt und dann unverhältnismäßig lange nach einer Shooting-Location gesucht. Dafür haben wir drei Anläufe gebraucht, weil uns nichts gefiel. Letzten Endes fanden wir dieses hübsche Häuschen mit den türkisfarbenen Details und haben so lange vor der Türe Fotos gemacht, bis ein Hausbewohner rauskam, weil ihm die Sache seltsam vorkam. Glücklicherweise hatte er nichts dagegen. Und ich muss sagen: Irgendwie war es trotzdem ein guter Tag. Zimtschnecken. Zeit zu zweit. Spaziergang. Schöne Fotos. Könnte doch schlimmer sein.

That’s the story. Boring, but real. Not perfect.

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Outfitdetails

Mantel – Mango (ähnlich hier)
Tasche – Liebeskind (ähnlich hier)
Pullover – Mango (ähnlich hier)
HoseOnly
Kette – Bijoux Brigitte
SchuheAdidas Originals Superstar

Viele meiner Klamotten hatte ich übrigens schon einmal in anderen Outfits auf dem Blog an. Die Sneaker haben zum Beispiel einen ganz eigenen Post bekommen. Und den Mantel habe ich euch bereits in meinem Herbstoutfit gezeigt – immer noch einer meiner liebsten Posts.

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Fotos von Konstantinos Angelakakis

8 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Text. Julia hatte mich mit ihrem Snap und Post auch zu nachdenken angeregt und ihr beide habt vollkommen Recht.
    Dieser ganze Perfektionismus ist echt nervig. Ich habe auch den ganzen vollbusigen Frauen schon entfollowed, weil das eben meine Schwäche war. So schön möchte ich auch sein.. Neee, gibt auch anderes was schön ist und so werde ich eh nicht ausschauen.

    LootieLoo’s plastic world

  2. Du sprichst mir aus der Seele. Gerade über dieses Thema hab ich mir in letzter Zeit sehr sehr viele Gedanken gemacht und ich schließe mich dir eigentlich total an.
    Ich mach es eigentlich auch gerne wie Thao und entfolge den „perfekten“ Mädels. Am Ende deprimiert es mich ja eh nur 😛

    Love, Kerstin
    http://www.missgetaway.com/

  3. Schönes Outfit 🙂 Du hast schon Recht mit dem was du schreibst, aber ich denke, dass es sehr sehr schwer ist, sich aus diesem Perfektionswahn rauszuhalten. Man will mit den anderen mithalten, so sind wir Menschen eben…

    Ganz liebe Grüße,
    Krissisophie von the marquise diamond
    http://themarquisediamond.de/

  4. Ein schöner eindrucksvoller Post 🙂 Ich finde es auch schade, dass es um das Perfektsein geht, aber anscheinend ist es das, was die Leute sehen wollen. Realitätsflucht und hoffen, dass man selber eines Tages so ist wie ein überbelichtetes Instabild.
    Ich bin keine Ausnahme, ich schaue mir gerne solche Bilder an und bin dann doch ein bisschen neidisch. Obwohl ich ganz genau weiß, echt ist das nicht, aber man kann ja mal träumen.

    Liebe Grüße
    Tine
    http://fairytaleoflife.com/

  5. Vielen Dank für diesen ehrlichen Text. Ich sehe diesen Perfektionierungswahn auch eher kritisch, wobei ich mich natürlich auch selbst dabei ertappe, genau hierbei mitzumachen. Besonders gefährlich sind die ganzen bearbeiteten Bilder insbesondere für ganz junge Mädels. Ich glaube viele haben, wenn sie jung sind, sehr wenig Selbstbewusstsein, haben wir Frauen ja generell… Da ist es kein Wunder, dass viele Mädels sehr unzufrieden mit sich sind, sich zu stark schminken, zu wenig essen etc. Ich glaube aber auch, dass wir gerade auf einem recht guten Weg in die anderen Richtung sind. Auch wegen Texten wie deinem! Ganz liebe Grüße, Neele

    http://justafewthings.de

  6. Ein wunderbarer Post! Du beschreibst das Phänomen des vermeintlich perfekten Social Media Lebens nicht nur mit sehr treffenden Worten, du ziehst auch die absolut richtige Konsequenz: Fehler zu lassen, Schwächen eingestehen. Und das Witzigste: Ich finde deine „unspannende“ Geschichte hinter den Bildern überhaupt nicht langweilig – ich kann sie mitfühlen, wer saß nicht schon mal neben dem muffligen Liebsten, den man runter vom Sofa und hinter die Kamera gezerrt hat? Das macht dich doch nur menschlich, nahbar und lässt Identifizierung zu – und zwar mit DIR als Mensch und nicht dem hübschen Abziehbildchen. Danke für diesen wertvollen Beitrag! Liebe Grüße, Kea

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