Ein Jahr grüne Mode: Was mich an Fair Fashion nervt

Grüne Mode aus der Sicht eines Fair Fashion Bloggers

Seit mehr als einem Jahr ist Glowing ein Fair Fashion Blog, oder vielleicht auch eher ein Slow Fashion Blog – denn mir geht es nicht nur um fair produzierte Mode, sondern auch um nachhaltige Kleidung. Ich beschäftige mich direkt oder indirekt fast jeden Tag damit – sogar beruflich. Dennoch gibt es einige Punkte in diesem Fair Fashion Business, die mich immer wieder aufregen. Welche das sind? Lest selbst!

 

 

Grüne Mode aus der Sicht eines Fair Fashion Bloggers

Obwohl das hier kein klassischer Outfit-Post ist, soll natürlich auch diese Komponente nicht zu kurz kommen. Mein Kleid ist ein wahnsinnig tolles Sweat-Kleid von Jan’n June – man kann es sogar auf zwei Arten tragen und den tiefen Ausschnitt auch für den Rücken wählen, super cool! Es ist nicht nur sehr angenehm zu tragen, sondern auch fair und nachhaltig produziert – aus 100% Bio-Baumwolle und damit auch noch vegan. Ein echtes Traum-Teil!

Meine Schuhe sind von Ethletic (vegan & fair). Der Rucksack ist vegan und von Matt & Nat.

Grüne Mode aus der Sicht eines Fair Fashion Bloggers

Grüne Mode aus der Sicht eines Fair Fashion Bloggers

Als Fair Fashion Blogger sollte man meinen, man kann diesem Thema nur Gutes abgewinnen. Aber Pustekuchen! Manchmal regt mich das faire Modebusiness wirklich auf. Besonders dann, wenn man mitbekommt, was alles so schief läuft. Hier ein paar Beispiele:

  1. Faire Modeläden sind unprofitabel… whaaaaat? Ich habe schon von einigen kleinen Boutiquen und Faire Fashion Stores gehört, die mit ihrem Geschäft keinen Profit erwirtschaften, sondern gerade einmal keine Verluste einfahren. Traurig, oder? Das ist definitiv ein Punkt, der sich ändern muss! Ich hoffe sehr, dass diese kleinen Unternehmen auch bald davon leben können.
  2. Es gibt so viele tolle faire & nachhaltige Labels – und niemand kennt sie. Nachhaltigkeit und faire Produktion wird für viele Modemacher immer interessanter. Die Folge: Es entstehen vielerorts tolle Ideen, Konzepte und Labels, die der Fast Fashion Industrie gerne einen Schlussstrich setzen würden und mit ihren Kollektionen alles besser machen wollen. Das Problem ist allerdings, dass es gar nicht so leicht ist, als faires Modelabel bekannt zu werden. Die meisten fangen ganz klein an und verfügen nur über ein geringes Budget. Für Werbemaßnahmen kann meist nichts oder nur wenig Geld geopfert werden. Eine Folge ist, dass faire Kleidung noch immer ein Nischenprodukt ist und die verfügbare Vielfalt, die es schon auf dem Markt gibt, bei dem Gros der Gesellschaft noch nicht im Bewusstsein angekommen ist. Dabei kann öko-faire Mode verdammt toll aussehen und verdient es, getragen zu werden! Auf Facebook teile ich auch immer wieder tolle Crowdfunding-Kampagnen von neuen Labels, die es schaffen wollen. Schaut doch mal vorbei!
  3. Faire Mode ist noch nicht cool genug – zumindest in den Köpfen vieler: Die meisten Menschen assoziieren mit Fair Fashion (entweder gar nichts oder) langweilige Öko-Mode. Dabei kann sie richtig stylisch & cool aussehen. Mein Kleid ist zum Beispiel von dem Hamburger Label Jan’n June, das traumhafte minimalistische Mode herstellt. Ein paar weitere Favoriten wären zum Beispiel LangerChen (tolle zeitlose Jacken aus fairer Produktion & nachhaltig), FunktionSchnitt (Shirts aus tollen Materialien) oder auch Edda Moer aus Wuppertal. Allesamt echt verdammt cool – bitte mehr davon! Grüne Mode darf nicht nur durch ihre Produktionsstandards überzeugen, sondern muss und sollte hauptsächlich durch eine richtig tolle Optik und Funktionalität bestechen. Wenn ich ein Kompliment für meine Kleidung bekomme, freue ich mich immer besonders, schließlich steht nirgendwo „fair“ und „nachhaltig“ drauf – sondern die Leute sehen, wie gut es aussehen kann!
  4. Der Preis geht den meisten über alles – ohne Rücksicht auf Verluste: Öko-faire Kleidung zu kaufen, belastet den Geldbeutel. Egal wie sehr man es dreht und wendet, wer (neue) grüne Mode kauft, muss dafür mehr ausgeben als für Stücke der nicht-nachhaltigen Konkurrenz. Das schreckt viele ab. Leider denkt ein Großteil der Konsumenten noch immer, das eigene Verhalten würde nichts bewirken und hätte keine Konsequenzen – und shoppt deshalb fleißig weiter bei Primark und Co. Dass durch einen höheren Kaufpreis auch die beteiligten Arbeiter, eine bessere Stoffqualität und -verarbeitung sowie eine geringere Belastung der Umwelt sichergestellt wird, vergessen die meisten beim Gang ins Einkaufscenter leider. Bitte fangt endlich an, die Verantwortung für euer Handeln zu übernehmen!
  5. Fair Fashion nur für Dünne? Welche Marken gibt es eigentlich für grüne Mode bei großen Größen – diese Frage hat mich neulich auch zum Nachdenken gebracht. Ganz spontan fiel mir nämlich leider keine einzige ein. Das Problem ist, dass faire Labels oft nur geringe Stückzahlen produzieren und dabei meist auf die „gängigen“ Größen setzen – sehr kleine oder sehr große Kleidungsgrößen gehen hier oft leer aus. Bestünde eine größere Nachfrage, könnten auch kleine Labels es sich leisten, mehr faire Mode in großen Größen zu produzieren. Also Leute: Meldet doch bitte euren Bedarf an! (Und falls ihr tolle Labels kennt, die auch größere Größen führen, sagt mir gerne in den Kommentaren Bescheid!)
  6. Die Auswahl ist gut – aber einfach nicht groß genug. Ich habe es ja schon gesagt: Eigentlich gibt es richtig coole grüne Mode. Eigentlich gibt es auch wunderschöne Designs. Eigentlich ist es zwar etwas teuer. Aber eigentlich trotzdem machbar. Dennoch stehe ich ab und zu vor dem Dilemma, nicht genau das in „fair“ zu finden, was ich brauche. Entweder, weil es dann doch wirklich sehr teuer ist oder weil es mir nicht richtig passt. Ich habe nunmal leider keine Modelfigur und bin keine 1,75 groß, so dass an mir nicht jedes Kleidungsstück super aussieht. Was dann? Das ist ehrlich gesagt in den vergangenen Monaten immer wieder mal ein Problem gewesen. Entweder: Weitersuchen. Oder: Doch Fast Fashion shoppen. Ich gehe stark davon aus, dass die Auswahl an grüner Mode in den kommenden Jahren stetig steigen wird, deshalb mache ich mir langfristig keine Sorgen. Kurzfristig bin ich trotzdem ab und zu ganz knapp davor, mir ein nicht-faires und nicht-nachhaltiges Stück zu kaufen, einfach weil ich es brauche. Blöd, oder?

Grüne Mode aus der Sicht eines Fair Fashion Bloggers

Grüne Mode aus der Sicht eines Fair Fashion Bloggers

Was du dagegen tun kannst?

Fang an, dir über deinen Konsum Gedanken zu machen! Preiswert ist nicht gleich Preis wert. Ist ein günstiges H&M Shirt wirklich seinen Preis wert? Sind die paar Euro, die man sich damit spart, es wirklich wert, dass anderswo ein Arbeiter unter den Arbeitsbedingungen leidet? Auch ist an dem Spruch „Wer billig kauft, kauft zweimal“ definitiv etwas dran. Die Qualität von minderwertiger Fast Fashion kann bei Weitem nicht mit den hochwertig produzierten Stücken aus fairer Produktion mithalten. Es gibt so viele gute Gründe, faire Produktion und nachhaltige Materialien zu wählen! Jeder Kassenzettel ist ein Stimmzettel, mit dem du dich für gute Arbeitsbedingungen und eine faire Produktion einsetzen kannst.

Welche Rolle spielt Kleidung in deinem Leben? Ist grüne Mode eine Option für dich? Ich muss zugeben: Ich könnte nicht mehr zurück. Neulich wurde ich gefragt, ob ich eigentlich denke, mit meinem Blog etwas verändern oder jemanden ändern zu können. Darüber musste ich erst kurz nachdenken, da ich grundsätzlich denke, jeder muss sich selbst ändern. Aber vielleicht findet ja der ein oder andere hier zumindest eine Inspiration oder einen Denkanstoß.

Grüne Mode aus der Sicht eines Fair Fashion Bloggers
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